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Herzinsuffizienz ©  

- wenn das Herz schwächelt - 

Etwa 1 % der deutschen Bevölkerung leidet unter einer Herzinsuffizienz. Bei älteren Menschen sind es sogar mehr als 10 %. Neben einer erhöhten Sterblichkeit leiden die Patienten mit Herzinsuffizienz unter einer verminderten Leistungsfähigkeit und weiteren unangenehmen Symptomen. Die Naturheilkunde erhebt nicht den Anspruch, eine organische Erkrankung wie die Herzinsuffizienz ausheilen zu können, es sind aber teilweise erstaunliche Besserungen möglich. 

Ursachen – wodurch entsteht eine Herzinsuffizienz 

Herzinsuffizienz ist die Unfähigkeit des Herzens, durch seine Pumparbeit die vom Körper geforderte Blutförderung aufrecht zu erhalten. Das Blut staut sich dann vor dem Herzen zurück.

Quelle: http://gfx.m-ww.de/chh_kreislauf.gif

Die häufigsten Ursachen für eine Herzinsuffizienz sind:

Ø   Bluthochdruck : Wenn das Herz lange Zeit gegen einen sehr hohen Widerstand im Kreislauf anarbeiten muss, kommt es zu einer Vergrößerung der Herzhöhlen oder zu einer Verdickung des Herzmuskels – beides ist ungünstig für die Herzfunktion.

Ø   Koronare Herzkrankheit: Durch Verengungen der Herzkranzgefäße kommt es zu einer verschlechterten Sauerstoffversorgung des Herzmuskels. Die Herzleistung kann in der Folge eingeschränkt sein.

Ø   Herzinfarkt: Stirbt durch einen Herzinfarkt ein Teil des Herzmuskelgewebes ab, so nimmt dieser Teil nicht mehr aktiv an der Pumpleistung teil. Ein kleiner Herzinfarkt wird vom gesunden Teil des Herzmuskels ohne weiteres kompensiert, ein größerer Infarkt kann aber durchaus zu einer bedeutsamen Minderung der Herzleistung und damit auch zu einer klinisch relevanten Herzinsuffizienz führen.

Ø   Veränderungen des Herzmuskels: Eine nicht sehr häufige Herzmuskelkrankheit ist die dilatative Kardiomyopathie bei der es zu einer Vergrößerung der Herzhöhlen und einer fortschreitenden Herzinsuffizienz kommt. Auch Herzmuskelentzündungen (Myokarditis) können vorübergehend oder dauernd zu einer Herzinsuffizienz führen.

Ø   Herzklappenfehler: Angeborene oder erworbene Klappenfehler können eine Stenose (Verengung) oder eine Insuffizienz (Undichtigkeit) sein – mitunter liegt auch beides an einer Klappe vor. Das Herz muss dann entweder gegen einen erhöhten Widerstand anarbeiten oder einen Teil des Blutes mehrfach pumpen. Beides kann langfristig zu einer Herzinsuffizienz beitragen.

Ø   Herzrhythmusstörungen: Bei verschiedenen Rhythmusstörungen schlägt das Herz entweder zu langsam oder zu schnell oder es kommt zu zahlreichen Extraschlägen, die das Blut aber nicht ökonomisch weiterpumpen. Sind diese Störungen ausgeprägt und liegen lange genug vor, so können sie zu einer Herzinsuffizienz führen. 

Die häufigsten Ursachen sind der Bluthochdruck und die koronare Herzkrankheit. Gelänge es, diese beiden Erkrankungen durch geeignete Änderungen des Lebensstiles und/oder medikamentöse Maßnahmen in den Griff zu bekommen, so wären viel weniger Menschen im Alter von einer Herzinsuffizienz betroffen. 

Symptome – woran erkennen Sie eine Herzinsuffizienz? 

Das rechte Herz pumpt das Blut in die Lunge, wo es mit Sauerstoff angereichert wird. Dieses Blut gelangt dann in das linke Herz, von wo es in den großen Körperkreislauf gelangt und die Organe mit lebenswichtigem Sauerstoff und Nährstoffen versorgt (s. Abb.). Je nachdem ob das linke oder das rechte Herz mehr betroffen ist, kommt es zu Zeichen der Links- oder Rechtsherzinsuffizienz (s. Tab.1). Nicht selten sind Rechts- und Linksherzinsuffizienz kombiniert – wir sprechen dann von einer Globalinsuffizienz.

Tabelle 1    Symptome der Herzinsuffizienz

Rechtsherzinsuffizienz Linksherzinsuffizienz
Schnelles Herzschlagen                             Schnelles Herzschlagen
Herzrhythmusstörungen                              Herzrhythmusstörungen
Lebervergrößerung Luftnot bei Belastung
Aszites (Bauchwassersucht)                      Reizhusten
Halsvenenstauung                                       Zyanose (Blaufärbung der Lippen)
Rippenfellerguss                                          Lungenödem („Wasser in der Lunge“)
Ödeme („Wasser in den Beinen“)  
Nykturie (Nächtliche Harnflut)  

Die auffälligsten und ersten Zeichen für den betroffenen Patienten mit Herzinsuffizienz sind das Wasser in den Beinen – es bleibt längere Zeit eine Delle im Unterschenkel, wenn Sie mit dem Finger hineindrücken (ein solches Ödem kann aber auch z.B. bei Venen-, Nieren- oder Lebererkrankungen auftreten). Das Treppensteigen fällt häufig schwerer. Müssen Sie immer öfter nach der ersten oder zweiten Treppe eine Pause einlegen, weil Sie nach Luft schnappen? Wachen Sie nachts mit Atemnot auf und wird diese besser, wenn Sie sich aufsetzen oder mit leicht erhöhtem Oberkörper schlafen? Dann sollten Sie rasch zum Arzt gehen und eine mögliche Herzinsuffizienz abklären lassen! 

Die Schwere der Herzinsuffizienz wird heute in vier Stadien eingeteilt. Diese nennen sich NYHA (nach New York Heart Association) und sind weltweit anerkannt (s. Tab. 2). 

Tabelle 2    Stadien der Herzinsuffizienz

NYHA I:          Keine Beschwerden wie Luftnot oder Schwäche, durch geeignete Untersuchungen könnte bereits eine beginnende Herzinsuffizienz festgestellt werden

NYHA II:         Leichte Beschwerden bei normaler Belastung (z.B. Luftnot nach 3 Stockwerken bei Ausschluss anderer Ursachen)

NYHA III:        Deutliche Beschwerden bei normaler Belastung (z.B. Luftnot bereits nach 5 Treppenstufen)

NYHA IV:        Beschwerden bereits in Ruhe

Diagnostik – woran erkennt der Arzt eine Herzinsuffizienz? 

Der Arzt hat verschiedene diagnostische Möglichkeiten an der Hand, um eine Herzinsuffizienz nachzuweisen. Die wichtigsten sind aber immer noch: eine genaue Anamnese (Befragung des Patienten nach den Symptomen) und eine gute körperliche Untersuchung. Weitere Verfahren wie EKG, Belastungs-EKG, 24-Stunden-EKG, Lungenfunktion oder Röntgen des Brustkorbs ergänzen die Untersuchung lediglich. Nicht mehr wegzudenken aus der Diagnostik der Herzinsuffizienz ist jedoch die Echokardiographie (Herzultraschall). Dabei können u.a. Größe der Herzhöhlen, Dicke der Herzwände, Struktur und Funktion der Herzklappen sowie die Pumpfunktion des Herzmuskels beurteilt werden. Nach diesen Untersuchungsbefunden und den körperlichen Symptomen legt der Arzt dann die Therapie fest. 

Schulmedizin – welche sind die wichtigsten Methoden bei Herzinsuffizienz? 

Idealerweise behandelt der Arzt die Grundkrankheit. Wenn z.B. Herzrhythmusstörungen durch entsprechende medikamentöse oder operative Maßnahmen (z.B. Klappenersatz, Herzschrittmacher) beseitigt werden können, wird sich auch die Herzinsuffizienz bessern. Ist eine verkalkte Herzklappe die Ursache der Herzinsuffizienz, so kann der Patient nach einer Klappenoperation mitunter wieder völlig beschwerdefrei sein. Oftmals ist die Herzinsuffizienz aber nicht kausal (ursächlich) zu behandeln. Vielmehr müssen Arzt und Patient gemeinsam versuchen, das Herz mit medikamentösen und nicht-medikamentösen Maßnahmen zu entlasten. Die wichtigsten schulmedizinischen Medikamente bei Herzinsuffizienz sind mit einigen Anmerkungen in der Tab. 3 abgedruckt. 

Tabelle 3    Medikamente bei Herzinsuffizienz 

ACE-Hemmer (z.B. Acerbon):

Sie sind heute schulmedizinisch das Mittel der ersten Wahl, weil in Studien einer Minderung der Sterblichkeit bei Herzinsuffizienz gefunden wurde. Wichtig ist, dass ACE-Hemmer ganz langsam in der Dosis gesteigert werden, sie bei einer Verengung der Nierenarterie nicht eingesetzt werden dürfen und eine relativ häufige Nebenwirkung ein trockener Reizhusten ist – dann hilft nur absetzen (nach ärztlicher Rücksprache).

Diuretika (z.B. Lasix):

Die so genannten „Wassertabletten“ entlasten das Herz durch eine Ausschwemmung von Wasser und Salz aus dem Körper. Die Beine werden wieder dünner, die gestaute Lunge „trocken gelegt“. Leider gehen auch wertvolle Mineralien (z.B. Kalium, Magnesium) verloren, was wiederum Herzrhythmusstörungen begünstigen kann.

Betablocker (z.B. Beloc):

Diese Mittel waren früher bei Herzinsuffizienz verboten, heute ist es hingegen ein Kunstfehler, sie bei einer Herzinsuffizienz nicht einzusetzen. Auch die Betablocker müssen in der Dosis ganz vorsichtig eingeschlichen werden. Bei manchen Erkrankungen (z.B. Asthma) dürfen sie nicht eingesetzt werden. Nebenwirkungen wie z.B. Blutdrucksenkung, langsames Herzschlagen und Potenzstörungen gilt es zu bedenken.

Angiotensin-II-Rezeptoranatgonisten (z.B. Lorzaar):

Diese Mittel stellen gewissermaßen die Fortentwicklung der ACE-Hemmer dar. In Studien haben sie sich diesen aber nicht als überlegen erwiesen. Sie sind das Mittel der Wahl bei Herzinsuffizienz, wenn ACE-Hemmer (z.B. wegen des Hustens) nicht vertragen werden.

Digitalis-Präparate (z.B. Novodigal):

Sie sind die ältesten und bewährtesten Mittel bei Herzinsuffizienz. Sie sind ursprünglich pflanzlicher Herkunft (Fingerhut). Sie haben nur einen schmalen Dosisbereich, in dem sie optimal wirken. Überdosierungen sind leicht möglich, besonders bei Kaliummangel. Digitalis wird heute nur noch bei schweren Formen der Herzinsuffizienz (NYHA III-IV) sowie bei Herzinsuffizienz mit bestimmten Herzrhythmusstörungen (Tachyarrhythmia absoluta) eingesetzt – dann aber sehr erfolgreich.

In leichten Fällen einer Herzinsuffizienz wird man mit einem ACE-Hemmer oder mit einem Kombinationspräparat aus ACE-Hemmer und Diuretikum auskommen. Je fortgeschrittener die Herzinsuffizienz ist, umso eher wird man mehrere Mittel parallel einsetzen müssen. 

Erweiterte Diagnostik – hilft das Labor bei Herzinsuffizienz weiter? 

Eigentlich denkt man nicht vorrangig an Blutuntersuchungen, wenn es um die Diagnostik der Herzinsuffizienz geht. Trotzdem gibt es einige Laborwerte, die Aufschlüsse über das Ausmaß der Diagnostik oder das weitere therapeutische Vorgehen geben (s. Tab. 4). 

Tabelle 4    Wichtige Laborwerte bei Herzinsuffizienz 

BNP:

Das Brain natriuretic peptide wird bei Herzinsuffizienz vermehrt vom Herzen ausgeschüttet und lässt sich im Blut nachweisen. Je höher das BNP ist, desto stärker ist die Herzinsuffizienz ausgeprägt. Zusammen mit der Symptomatik und dem Echokardiographiebefund stellt das BNP einen wertvollen Stein im Mosaik der Herzinsuffizienz dar. Seine großen Vorteile: Man kann das BNP leicht und oft aus dem Blut bestimmen und man kann es zur Verlaufskontrolle der Behandlung einsetzen – wenn die Therapie der Herzinsuffizienz greift, dann muss das erhöhte BNP wieder absinken.

Coenzym Q10:

Diese vitaminähnliche Substanz (es ist kein Vitamin, da der Körper es selbst synthetisieren kann) wird für die Energiegewinnung der Muskelzellen benötigt. Je älter wir sind, desto weniger davon haben wir in den Muskelzellen. Patienten mit Herzinsuffizienz weisen einen besonders niedrigen Gehalt an Q10 in den Herzmuskelzellen und im Blut auf. Patienten, die wegen erhöhter Cholesterinwerte einen Cholesterinsynthesehemmern einnehmen, haben fast immer einen Q10-Mangel, da die Q10- und die Cholesterinsynthese bis auf den letzten Schritt identisch ist.

Carnitin:

Auch diese vitaminähnliche Substanz benötigen wir für die Energiegewinnung. Patienten mit Herzinsuffizienz haben oft zuwenig davon.

Vitamin D:

Bei Vitamin D denken wir normalerweise an den Knochen und nicht an eine Herzinsuffizienz. Man hat jedoch festgestellt, dass Patienten, die unter einer Herzinsuffizienz leiden, um etwa 50 % niedrigere Vitamin D-Spiegel haben. Im Tierversuch konnte durch Vitamin D-Gaben eine Besserung von Herzinsuffizienz erzielt werden. Wahrscheinlich profitieren Herzpatienten von einer zusätzlichen Vitamin D-Einnahme.

Kalium und Magnesium:

Auch Kalium und Magnesium benötigen unsere Herzmuskelzellen für eine problemlose Tätigkeit. Im Mangel kommt es gehäuft zu Herzrhythmusstörungen. Besonders fatal ist, dass Entwässerungsmittel, die fast alle Patienten mit Herzinsuffizienz einnehmen, oft zu einem Mangel an Kalium und/oder Magnesium führen. Die Serumuntersuchung auf diese Mineralstoffe, die üblicherweise durchgeführt wird, erkennt einen Mangel leider nur, wenn er sehr gravierend ist. Viel genauer ist hier die Vollblutuntersuchung, die den viel bedeutsameren Gehalt in den Zellen mit berücksichtigt.

Sie machen keinen Fehler, wenn Sie als Patient mit Herzinsuffizienz Q10, Carnitin, Vitamin D, Kalium und Magnesium einnehmen. Wesentlich gezielter – und langfristig auch preisgünstiger - ist die Therapie allerdings, wenn sie subtil abgestimmt nach den Ergebnissen der Laboruntersuchungen erfolgt. Dann ist gewährleistet, dass Sie nicht zuwenig, aber auch nichts überflüssigerweise einnehmen. 

Naturheilkunde – welche natürlichen Möglichkeiten gibt es bei Herzinsuffizienz? 

Es soll hier nicht der Eindruck entstehen, dass Sie eine manifeste Herzinsuffizienz allein mit naturheilkundlichen Maßnahmen behandeln können. Wenn Medikamente oder andere Verfahren (z.B. Herzklappenoperation) wirklich angezeigt sind, sollten diese auf keinen Fall unterbleiben. Zusätzlich sollten Naturheilverfahren bei Herzinsuffizienz  unbedingt zum Einsatz kommen, da ihr Nutzen in vielen Einzelfällen empirisch und bei manchen Verfahren (Weißdorn, Homöopathie) sogar in wissenschaftlichen Studien evidenzbasiert belegt werden konnte. Naturheilverfahren werden also vorrangig komplementär bei Herzinsuffizienz  angewendet, nur selten alternativ. Ausnahme: Unverträglichkeit der oben beschriebenen schulmedizinischen Medikamente beispielsweise wegen zu niedrigen Blutdrucks. Hier bleibt manchmal keine Wahl als Naturheilverfahren alternativ, aber auch dann häufig erfolgreich einzusetzen.

Bewegung – dürfen Sie sich bei Herzinsuffizienz überhaupt sportlich betätigen? 

Sie dürfen nicht nur, sie müssen sogar. Die Gretchenfrage ist nur: Wie darf man sich belasten, wenn eine Herzinsuffizienz festgestellt wurde? Gerade der Patient mit Herzinsuffizienz sollte sich körperlich belasten – er muss es nur richtig tun. Trainierte Muskeln arbeiten nämlich viel ökonomischer und verbrauchen viel weniger Sauerstoff bei gleicher Belastung als untrainierte Muskeln.  

Wieviel und welche körperlichen Betätigungen Sie bei Herzinsuffizienz ausüben dürfen, hängt in erster Linie vom Stadium der Herzinsuffizienz ab. 

Herzinsuffizienz NYHA I:

Sie sollten Spitzenbelastungen oder solche mit Pressatmung vermeiden, ansonsten sind alle Betätigungen, insbesondere Ausdauerbelastungen im moderaten Belastungsbereich mit 60-70 % der maximalen Leistungsfähigkeit ohne weiteres möglich. 

Herzinsuffizienz NYHA II:

Im Prinzip können Sie sich wie bei Stadium I belasten. Im Ausdauerbereich sind allerdings 50-65 % der maximalen Leistungsfähigkeit anzustreben. Diesen Bereich kann der erfahrene Kardiologe mittels Belastungs-EKG festlegen. Bei Auftreten von Beschwerden (z.B. Luftnot) sollten Sie auf jeden Fall die Belastungsintensität senken oder Regenerationspausen einlegen. 

Herzinsuffizienz NYHA III:
Leichte Belastungen (z.B. Spazierengehen, milde Gymnastik) sind auch hier noch möglich. Bei Auftreten von Beschwerden (z.B. Luftnot) sollten Sie auf jeden Fall die Belastungsintensität senken oder Regenerationspausen einlegen. Entgegen früherer Lehrmeinung ist hier aber auch noch ein Training möglich und zwar ein so genanntes Intervalltraining, bei dem für wenige Sekunden die Muskeln belastet werden, ohne das Herz anzustrengen. Durch serielle Wiederholungen kommt es einer Ökonomisierung der Muskeltätigkeit, die sich langfristig enorm entlastend auf die Herzinsuffizienz auswirkt. Ein solches Training darf aber nur bei darin sehr erfahrenen Sporttherapeuten unter kardiologischer Kontrolle durchgeführt werden. 

Herzinsuffizienz NYHA IV:

Hier ist wirklich Ruhe angesagt. Höchstens minimale Belastungen (z.B. zur Toilette gehen und selbst das manchmal nicht) und passive Bewegung durch Krankengymnastik sind möglich. 

Achtung: Bei manchen Formen der Herzinsuffizienz (z.B. relativ oft bei dilatativer Kardiopathie) fühlen sich die Patienten beschwerdefrei, obwohl das Herz bereits überlastet ist. Hier sollten sich die Patienten streng nach den Vorgaben des Kardiologen richten. 

Ernährung – was sollten Sie bei Herzinsuffizienz essen und was nicht? 

Ein Übergewicht sollten Sie tunlichst vermeiden. Jedes Kilo, welches Sie überflüssigerweise die Treppen hoch schleppen müssen, belastet das Herz unnötigerweise. Da körperliche Bewegung (s.o.) besonders in den fortgeschrittenen Stadien nur noch eingeschränkt möglich ist, müssen Sie die Gewichtsnormalisierung vorrangig mit der Ernährung erreichen. Eine kalorienarme, aber vitalstoffreiche Kost ist empfehlenswert. 

Kochsalz sollten Sie bei einer Herzinsuffizienz weitgehend meiden. Denken Sie dabei bitte auch an das „versteckte“ Salz in Knabberzeug, Käse, Wurst und Fertiggerichten. Salz „zieht Wasser in den Körper und den Kreislauf“ und belastet so das Herz. Genau hier setzen ja die Entwässerungsmittel an. Mit einer salzreichen Kost können Sie deren Wirkung mehr oder weniger zunichte machen. 

Bei fortgeschrittener Herzinsuffizienz sollten Sie auch übermäßige Flüssigkeitsbelastungen meiden. Die Flüssigkeitszufuhr sollte dann 2 Liter am Tag (manchmal sogar weniger) nicht überschreiten. Bedenken Sie auch die Flüssigkeitszufuhr in Lebensmitteln (z.B. Suppen, Früchten). Eine Flasche Bier – schnell getrunken – kann das Herz bei Herzinsuffizienz  NYHA III oder IV bereits überlasten! 

Wiegen Sie sich regelmäßig! In Stadium I und II nach NYHA reicht eine wöchentliche Kontrolle aus. Wenn Beschwerden wie Luftnot oder „dicke Beine“ auftreten oder in den Stadien III und IV, sollten Sie sich täglich wiegen – und zwar auf einer Waage mit 100 g-Anzeige. Unser Körpergewicht schwankt ständig um einige hundert Gramm täglich. Wenn Sie aber mehrere Tage hintereinander eine kontinuierliche Gewichtszunahme feststellen (ohne dass Sie diese durch übermäßige Nahrungszufuhr erklären können), dann gilt Alarmstufe Rot: Suchen Sie sofort Ihren behandelnden Arzt auf und klären Sie mit ihm die weiteren Maßnahmen ab. 

Patienten mit Herzinsuffizienz profitieren deutlich von einem Heilfasten. Dieses hat auf den Körper einen entwässernden und herzentlastenden Effekt wie eine starke Wassertablette. Wegen der erforderlichen medikamentösen Feineinstellung sollten Sie bei Herzinsuffizienz ein Heilfasten aber nur bei Begleitung durch einen kardiologisch erfahrenen Fastenarzt, am besten in einer darauf spezialisierten Fachklinik durchführen lassen. Durch das Heilfasten ist nicht nur eine massive Gewichtsreduktion möglich, sondern auch eine Reduktion der Medikamente, die nicht selten über das Heilfasten hinaus besteht. In der Habichtswaldklinik Kassel finden regelmäßig ärztlich geleitete, stationäre Fastengruppen statt. 

Nahrungsergänzungen – welche sind bei Herzinsuffizienz sinnvoll? 

Die Zufuhr von Kalium und/oder Magnesium (z.B. Kalinor Brausetabletten, Magnesium Diasporal Beutel) ist bei Herzinsuffizienz sinnvoll – besonders wenn Sie Entwässerungsmittel oder Digitalis einnehmen. Achtung: Einige Entwässerungsmittel sind kaliumsparend. Hier sollten Sie mit Kaliumgaben vorsichtig sein. Überhaupt empfiehlt sich die Kalium- und Magnesiumeinnahme nach regelmäßiger Labortestung, am besten durch Volblutmineralanalyse (s.o.). 

Die Einnahme von Vitamin D ist bei älteren Menschen schon wegen der Knochen sinnvoll. Bei Herzinsuffizienz ist sie vermutlich sogar mehr als sinnvoll. Nehmen Sie – eventuell nach Vortestung (s.o.) – 1000 IE Vitamin D ein (z.B. Vitamin D Hevert 1000 Tabletten 1x täglich). 

Die Gabe von Carnitin und Q10 hat sich bei Herzinsuffizienz ebenfalls bewährt – eventuell nach Vortestung (s.o.). Günstige Präparate sind das  Biocarn Sirup 2x1 Messbecher und Ubitec 50 2x1 täglich. 

Phytotherapie – können denn Heilpflanzen bei Herzinsuffizienz etwas ausrichten? 

Allerdings: Die potenteste Heilpflanze bei Herzinsuffizienz – die Digitalis (Fingerhut) – haben wir bereits bei den schulmedizinischen Medikamenten abgehandelt. Sie zählt wegen ihrer starken Wirksamkeit, aber auch wegen der Nebenwirkungen, zu den verschreibungspflichtigen Heilmitteln. 

Harmloser und milder in der Wirksamkeit ist der Crataegus (Weißdorn). Es dauert allerdings vier bis acht Wochen, bis die endgültige Wirkung erreicht wird. Ein Nutzen bei Stadium I-II der Herzinsuffizienz ist eindeutig belegt. Studien zur Beeinflussung der Sterblichkeit liegen zwar noch nicht vor. Studien mit Placebo haben aber eine deutliche Überlegenheit in Bezug auf Symptome der Herzinsuffizienz ergeben. In Vergleichsstudien ergab sich sogar eine Gleichwertigkeit zu ACE-Hemmern. Achtung: Weißdornpräparate müssen hoch genug dosiert werden (mind. 900 mg Trockenextrakt). Bewährte Präparate sind Bomacorin 450 Tabl., Crataegutt novo 450, Faros 300.

Homöopathie – lässt sich die Herzinsuffizienz sogar homöopathisch behandeln? 

Es liegt ein reiches erfahrungsheilkundliches Wissen über die Beeinflussbarkeit der Herzinsuffizienz mit homöopathischen Heilmitteln vor. Leider neigen homöopathisch tätige Ärzte und Patienten, die Homöopathie bevorzugen, mitunter dazu, Homöopathie monoman anzuwenden – andere Heilverfahren haben neben der Homöopathie dann nichts zu suchen. Dies ist bei einer komplexen Erkrankung wie der Herzinsuffizienz nicht nur wenig sinnvoll, eventuell ist es sogar gefährlich, wenn notwendige andere Medikamente weggelassen werden. Wird Homöopathie jedoch in ein ganzheitliches Behandlungskonzept der Herzinsuffizienz eingebunden, so kann sie eine wertvolle Ergänzung darstellen und deutliche Verbesserungen bewirken. Bewährte Mittel sind: 

Apocynum D1, D2, D3: Ödeme, Müdigkeit, Kopfschmerz, Gliederschmerz, Verstärkung der Beschwerden der Herzschwäche während eines Infektes

Carbo vegetabilis D2, D3, D4: Herzklopfen, Kollapsneigung, Herzschwäche alter Menschen, plötzliche Schwäche, Verlangen nach frischer Luft trotz Frieren

Crataegus ø, D1, D2: Herzklopfen, Unruhe, Schlaflosigkeit, besonders bei Herzschwäche alter Menschen

Laurocerasus ø, D1, D2: besonders bei Rechtsherzinsuffizienz mit Blaufärbung der Lippen

Scilla D1, D2: Übelkeit, häufiger Harndrang, besonders bei Rechtsherzinsuffizienz 

Homöopathie wirkt nur dann gut, wenn man das Mittel findet, welches genau zu den Symptomen passt. Einfacher ist es mitunter, ein bewährtes Kombinationsmittel zu wählen. Beispiele guter Mittel hierfür sind: Cralonin Tr. (gibt es auch als Injektionslösung), Goldtropfen DHU S und Infi-Camphora-Tropfen. Für Cralonin gibt es sogar eine kontrollierte, randomisierte Doppelblindstudie im Vergleich mit einem ACE-Hemmer, bei der keine Überlegenheit des ACE-Hemmerns festgestellt werden konnte – tendenziell war sogar das Cralonin leicht besser. 

Sie sehen also: Es gibt vielfältige Möglichkeiten, die Herzinsuffizienz ergänzend naturheilkundlich zu behandeln. Für die Selbstbehandlung eignen sich die meisten Mittel hier aber nur bedingt. Im Zweifel und bei fortgeschrittener Herzinsuffizienz sollten Sie unbedingt einen kardiologisch und naturheilkundlich erfahrenen Arzt zu Rate ziehen – bei einer Verschlechterung der Beschwerden sowieso. Werden diese Richtlinien eingehalten, so können Sie mit einer sinnvollen Kombination aus schulmedizinischen und naturheilkundlichen Maßnahmen eine merkliche Verbesserung sowohl Ihrer Symptome als auch der Prognose der Herzinsuffizienz erzielen. In der Inneren Abteilung der Habichtswaldklinik oder in deren naturheilkundlicher Privatambulanz können Sie die oben erwähnten Untersuchungen durchführen und sich individuell behandeln lassen.

Literatur: Schmiedel/Augustin: Handbuch Naturheilkunde, Kap. Herzschwäche, Karl F. Haug-Verlag

Viel Erfolg und alles Gute – von Herzen für Ihr Herz!

 © Dr. Volker Schmiedel
Chefarzt der Inneren Abteilung
FA für Physikalische und Rehabilitative Medizin
Naturheilverfahren, Homöopathie
Dozent für Biologische Medizin (Univ. Mailand).

Animationen animierte Augen

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Alle oben erwähnten Laboruntersuchungen können in der Inneren Abteilung der Habichtswaldklinik oder der Naturheilkundlichen Privatambulanz durchgeführt werden.

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